Hessischer Bildungsserver / Schulvermeidung (Absentismus)

Prävention

Prävention

 

Schulverweigerung - Schulabbruch: Wie kann die Schule vorbeugen?

Die Initiativen, die Schulmüdigkeit, Schulverweigerung und Schulabbruch erfolgreich verringern, haben eines gemeinsam: Sie beginnen möglichst früh (Prävention), sie fördern individuell, sie ermöglichen Erfolgserlebnisse und sie knüpfen an die Erlebniswelt der Schüler an. Hierzu gibt es weitere Informationen in der Broschüre  „Prävention von Schulverweigerung"  des Staatlichen Schulamts der Stadt Frankfurt am Main.

 

Wenn das Lernen in der Schule die soziale Wirklichkeit der Kinder und Jugendlichen in vielfältiger Weise berücksichtigt, können die Schüler das Erlernte in eine sinnvolle Beziehung zu ihrem eigenen Leben setzen. Außerschulische Lernorte und Partner ergänzen die Bildungsarbeit an Schulen. Kommunikations-, Erfahrungs- und Experimentierräume mit interessanten und für Jugendliche attraktiven Angeboten können im Bereich Technik, Design, Sport, Kunst, Musik, neue Medien, neue Sprachen, in Schülerclubs und im Spiel eröffnet werden. So können Schüler ihre Stärken entdecken und Lernmotivation entwickeln.


Gesprächsstrukturen an der Schule

Folgende Kommunikationsformen können dazu beitragen, mit Schülerinnen und Schülern in einen Dialog zu treten und Beziehungen aufzubauen:

 

  • Fest etablierte Klassenlehrerstunden,
  • Klassenlehrkraft in möglichst vielen Unterrichtsfächern,
  • gemeinschaftsfördernde Klassenaktivitäten, auch mit allen in der Klasse unterrichtenden Lehrkräften,
  • regelmäßige pädagogische Klassenkonferenzen, um sich mit allen beteiligten Kollegen über die Klasse als Gruppe und einzelne Schüler auszutauschen,
  • Klärung der Beziehung zu Schülern in Supervisionsgruppen.

 

Dialog mit den Eltern

Mögliche Dialogformen mit den Eltern sind:

  • Elternabende,
  • Elternstammtische,
  • Elternsprechtage,
  • Projekte, in die Eltern einbezogen werden und
  • Hausbesuche.

 

Krisengespräche, sobald Schüler durch schulvermeidendes Verhalten auffallen

Wenn der Eindruck entsteht, dass ein Schüler in der aktiven Teilnahme am Unterricht abfällt, Verhaltens- oder Leistungsveränderungen sichtbar werden oder es bereits zu auffällig vielen entschuldigten oder gar zu unentschuldigten Fehlzeiten kommt, so muss darüber möglichst rasch ein Gespräch stattfinden.

 

Für ein solches Gespräch ist wichtig:

  • eine klare Struktur,
  • eine lösungsorientierte Ausrichtung,
  • die Protokollierung von Vereinbarungen,
  • in jedem Fall die Vereinbarung eines neuen Termins (Ort, Zeit, telefonische Erreichbarkeit).

 

Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit bietet an der Schnittstelle von Jugendhilfe und Schule umfassende Beratung bei individuellen Problemen in Familie und Schule.

 

Formale Kontrolle als notwendige Bedingung

  • Viele Schulen sind dazu übergegangen, Informationen zum Umgang mit Schulversäumnissen den Eltern (und älteren Schülern) schriftlich zu geben und unterschreiben zu lassen.
  • Auf Elternabenden werden die Maßnahmen bei Fehlzeiten dargelegt.
  • Einige Schulen haben Vorlagen für Entschuldigungen entworfen, weil festgestellt wurde, dass manche Eltern sich aus Angst vor Fehlern nicht trauen, ihre Entschuldigungsschreiben abzugeben.
  • Die Regel, dass eine länger als 4 Wochen andauernde Nichtteilnahme am Sportunterricht vom jugendärztlichen Dienst zu überprüfen ist, hat sich bewährt. Die Zusammenarbeit sollte auch in anderen Fällen gesucht werden.


Wertschätzung für die Schüler

Lehrerverhalten, dass allen Schülerinnen und Schülern ungeachtet ihrer Probleme das Gefühl persönlicher Wertschätzung vermittelt, wirkt präventiv der Schulverweigerung entgegen.

 

Übergangsmanagement

Für einen reibungslosen Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule der Sekundarstufe I haben viele Schulen ihre spezifischen Konzepte entwickelt. Hierzu zählen

  • gute Kooperation zwischen abgebenden und aufnehmenden Schulen (Übergabekonferenzen, vollständige Weitergabe der Schülerakten),
  • besondere pädagogische Bemühungen um den Aufbau einer guten Klassen- und Schulgemeinschaft (z.B. Begleitung der „Neuen" durch Mentoren aus höheren Klassen, „Soziales Lernen", Klassenlehrerunterricht, Einführungswoche, etc.)

 

Berufszufriedenheit

Eine Lehrkraft, die zufrieden mit der Schule ist, an der sie arbeitet, die optimistisch ist und sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlt, wird leichter in der Lage sein, eine positive Beziehung zu den Schülern aufzubauen und diese für das Unterrichtsgeschehen zu begeistern.

Kooperative Strukturen sind dabei von großer Bedeutung. Gerade bei dem komplexen Phänomen Schulverweigerung ist es besonders wichtig, sich Partner zu suchen und die Probleme mit ihnen zusammen zu bewältigen.

 

 

Quelle: Umgang mit Schulverweigerung , Staatliches Schulamt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt, 2005, S. 12