Hessischer Bildungsserver / Schulvermeidung (Absentismus)

Intervention

Intervention

 

Wichtig ist, schnell und frühzeitig zu intervenieren, um eine Verfestigung durch Selbstverstärkung zu verhindern. Als Basis hierfür sind klare Strukturen an der Schule zum Umgang mit Schulverweigerern unverzichtbar. Sie vereinfachen die Arbeit für die einzelne Lehrkraft und verbessern die Erfolgsaussichten. Individuell abgestimmtes Vorgehen sollte dabei aber immer die Regel sein.

 

Gute Chancen für pädagogisches Handeln bei Schulvermeidung bestehen, wenn

  • die Schulvermeidung vorrangig schulische Gründe hat,
  • Schulvermeidung als eine klare Reaktion auf ein abgrenzbares Problem deutbar ist,
  • in der Klasse eine positive Einstellung zum Schulbesuch herrscht und an soziale Beziehungen in der Lerngruppe angeknüpft werden kann,
  • Eltern die Schulvermeidung als Problem erleben,
  • Kontaktaufnahme, Zeit nehmen, Geduld, Zuhören von dem Jugendlichen nicht generell abgelehnt wird und die Fähigkeit, Beziehungen aufzunehmen, nicht grundlegend gestört ist.

 

Schwieriger wird es, wenn bei verfestigter Schuldistanzierung

  • Schwänzen nicht als Reaktion auf konkrete Situationen entschlüsselbar ist, sondern als resignative oder sogar lebensverneinende Einstellung auftritt,
  • dem Jugendlichen "alles egal" ist,
  • die Familie schwer einzubinden ist,
  • die Familie das Verhalten des Kindes nicht sanktioniert oder sogar mit ihm sympathisiert,
  • der Jugendliche in die Klassengemeinschaft nicht integriert ist,
  • der Kontakt zwischen dem Jugendlichen und der Schule abgerissen ist und alternative Erfahrungen (Partner, Geld verdienen, Drogen, Straße) vorherrschend werden,
  • schon im Kindesalter erhebliche Verhaltensauffälligkeiten zu bemerken waren,
  • ein abgekoppeltes Wertesystem entstanden ist, in dem das „Nicht-zur-Schule-gehen" positiv bewertet wird,
  • existenzielle Bedürfnisse (Sicherheit, Zugehörigkeit, Gewollt-Sein ...) nicht befriedigt sind,
  • der Jugendliche in einer Rückwendung zur Schule nur „Kosten" und keinen „Gewinn" sieht,
  • die Angst vor erneuten Misserfolgen eine Rückwendung zur Schule verhindert.


Erste Schritte der Intervention:

 

  • Sachverhaltsaufklärung durch "Datensammlung" (Häufigkeit, Art, Dauer, Phase, akute Tendenz des unregelmäßigen Schulbesuchs und der Schulschwierigkeiten in Erfahrung bringen),
  • Gespräch mit dem Schüler (eventuell ist aufsuchendes Hinterhergehen erforderlich),
  • direkte, unmittelbare Kontaktaufnahme zwischen Lehrkraft und Eltern; Ermittlung des jeweiligen Wissensstands sowie der Haltungen, des Problemverständnisses und bereits durchgeführter Unterstützungs- und Gegenwirkungsaktivitäten.

 

Das Zusammentragen kann Aufschluss über folgende Fragen bringen:

  • Wie lange wird schon geschwänzt?
  • Wie ist die aktuelle Lage?
  • Welche Folgeprobleme treten auf (Leistung, Sozialkontakte, Bruch mit Eltern, ...)?
  • Was ist die Bedeutung des Verhaltens (wieso? wozu?), "was steckt dahinter?" (in den Feldern Schule, Familie, Gleichaltrige, ...).

Quelle: Thimm; Null Bock auf Schule, www.familienhandbuch.de 


 

Der besseren Lesbarkeit halber wird auf Doppelnennungen wie „Schülerinnen und Schüler" oder „Lehrerinnen und Lehrer" verzichtet. Selbstverständlich sind immer beide Genderformen gemeint.