Hessischer Bildungsserver / Schulvermeidung (Absentismus)

Handlungsempfehlungen

Handlungsempfehlung zum Umgang mit Schulvermeidern

Die Klassenleitung ist verantwortlich für das Prozedere.

  • Zuspätkommen bzw. „Abhängen" einzelner Schulstunden:

Im persönlichen Gespräch mit dem Schüler (Hinweise zur Gesprächsführung mit dem Schüler [1]) wird der Regelverstoß - ohne zu moralisieren - benannt. Hierbei erfragt man die Perspektive und Motive des Schülers. Ein Hinweis auf Hilfsangebote (Vertrauenslehrer, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologe, ...) wird gegeben.

 

  • Tritt keine Änderung des Verhaltens ein oder ist eine Verschlechterung zu beobachten:

Es erfolgt sofort (am besten per Telefon - auch an der Arbeitsstelle des Elternteils) eine Information und Aufforderung an die Eltern, für den Schulbesuch zu sorgen bzw. das Fernbleiben vom Unterricht schriftlich zu entschuldigen; eine Aktennotiz wird der Schülerakte beigefügt.

Sollten künftige Entschuldigungen wiederum verspätet (oder gar nicht) vorgelegt werden, so ist die Schule berechtigt, für jeden krankheitsbedingten Fehltag des Schülers eine ärztliche Bescheinigung zu verlangen. Bestehen berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der ausgestellten Bescheinigung, kann nach Rücksprache im SSA die  Vorlage eines amtsärztlichen Attests verlangt werden.

 

Die Rücksprache mit den beteiligten Lehrkräften ist sinnvoll, um die Eindrücke abzusichern. Die Akte des Schülers sollte auf weitere Informationen hinsichtlich seines Verhaltens durchgesehen werden.

 

  • Verhalten verändert sich noch immer nicht (nach ca. einer Woche):

Es erfolgt eine schriftliche Einladung der Eltern und des Schülers zu einem Gespräch mit dem Hinweis, dass die Schule das Jugendamt einschaltet bzw. ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten wird, sofern die Erziehungsberechtigten innerhalb einer Woche keinen Kontakt zur Schule aufnehmen. Die Klassenlehrkraft schreibt diesen Brief und gibt, nach Kenntnisnahme des Schulleiters, eine Kopie in die Schülerakte. Sollte auch hier kein Erfolg erzielt werden können, so ist ein zwangsweises Zuführen in Betracht zu ziehen (siehe hierzu die Broschüre Schulvermeider , Leitfaden zur Intervention in eigenverantwortlichen Schulen).

 

  • Gespräch findet statt:

Zuständig ist in der Regel die Klassenlehrkraft; schwierige Gespräche sollten vorbereitet werden (Leitfaden Elternarbeit S. 20ff). Bei schwierigen Fällen sollte eine dritte Person (z.B. Schulsozialarbeit oder ein Schulpsychologe) hinzugezogen werden. In diesem Gespräch werden verbindliche Vereinbarungen bzgl. des weiteren Vorgehens getroffen. Die Eltern werden hinsichtlich möglicher Hilfsangebote (Schulpsychologe, Jugendamt, Gesundheitsamt etc.) beraten. Hier kann der Elternratgeber " Schulverdrossenheit und Schwänzen - was tun? " der Landeskooperationsstelle Schule-Jugendhilfe in Brandenburg hilfreich sein. Es wird ein weiterer Gesprächstermin vereinbart, um Erfolge und Probleme bei der Umsetzung der Vereinbarungen zu besprechen.

Von dem Gespräch wird ein Ergebnisprotokoll angefertigt (Kopie in Schülerakte; ein Exemplar geht an die Eltern).

Ist das Gespräch erfolgreich, müssen Zweigleitung bzw. pädagogische Leitung nicht informiert werden.

Gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Eltern als schwierig oder erfolglos, so ist die Information der pädagogischen Leitung bzw. der Schulleitung unbedingt notwendig.

 

  • Gespräch findet nicht statt (Reaktion bleibt nach maximal einer Woche aus):

Es ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Sinnvoll ist es, wenn an Stelle einer Geldbuße Arbeitsstunden an der Schule abgeleistet werden.

Quelle: Schulamt für den Hochtaunuskreis und den Wetteraukreis, Dipl.-Psych. S. Maaß, 2006

 

Eine ausführliche „Arbeitshilfe für Beratungsprofis" mit Anregungen zur Gesprächsführung bietet der Aufsatz „Schulmüdigkeit und Schwänzen von älteren Kindern und Jugendlichen. Anregungen zur Gesprächsführung mit Eltern und jungen Menschen" der Landeskooperationsstelle Schule - Jugendhilfe in Brandenburg. 

 

Ansprechpartner und Adressen

Hilfreich ist es, im Sekretariat eine Liste mit Adressen (Ansprechpartner, Sprechstunde und Telefonnummer) bereitzustellen, damit rasch der Kontakt hergestellt und der „lange Dienstweg" vermieden werden kann. Diese Liste muss jede Schule für sich zusammenstellen.

Die folgenden Daten sind nützlich:

 

  • Aktuelle Adressen und Telefonnummern der Eltern (Handy, Festnetz, Arbeitsplatz)
  • Kollegen (evtl. nur E-Mail-Adresse oder Telefonnummer)
  • Zentrum für schulische Erziehungshilfe
  • Schulsozialarbeit
  • Schulpsychologe
  • Schularzt
  • Jugendärztlicher Dienst
  • Kinder- Jugend- und Elternberatungsstellen
  • ASD, Jugendamt
  • Streetworker
  • Polizeidienststelle
  • Kinderschutzbund
  • Wildwasser
  • Pro Familia
  • Drogenberatungsstelle
  • Fachstelle für Suchtprävention
  • Ehe-, Familien- und Lebensberatung
  • Interkulturelles Büro