Hessischer Bildungsserver / Von der Diagnose zur Förderung

Station 4: Fördern: Neuausrichtung von Absicht und Strategie

Förderkreis - Station 4Durch die „Orientierung im Lernprozess“ wissen Lernende und Lehrende, wie weit sie auf dem Weg zu den gemeinsam vereinbarten Zielen gekommen sind. Das heißt, dass diese diagnostisch sensible Situation als Standortbestimmung jetzt genutzt werden kann für die weitere Förderung - und zwar für jeden einzelnen Schüler:

  • Wer bereits jetzt die Ziele erreicht hat, kann sich anderen Inhalten und anderen Zielen zuwenden.
  • Wer einige Ziele, aber nicht alle, erreicht hat, bedarf der Beratung und Unterstützung auf diese hin.
  • Wer die meisten Ziele noch nicht erreicht hat, braucht Hinweise für andere Wege oder Methoden, mit deren Hilfe er „umsteuern“ kann, um die Ziele letztendlich doch zu erreichen oder Anzahl bzw. Umfang von Zielen zu korrigieren.

In dieser Phase ist die diagnostische Kompetenz der Lehrperson noch einmal wichtig, weil es um eine wichtige Weichenstellung für den Lernerfolg geht. Im traditionellen Unterricht beschränkt sich diese Phase des Unterrichts oft darauf, dass die Lehrperson den Schülerinnen und Schülern weiteres Übungsmaterial vor der summativen Lernkontrolle (Klassenarbeit)anbietet. Indem sie den Stoff noch einmal in ähnlicher Form anbietet, hofft sie, dass Schülerinnen und Schüler sich die Ziele bewusst machen und Inhalte und Aufgabenstellungen, die vorher schon vermittelt wurden, wieder erkennen und daran üben können. Für Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten mit dem Lernstoff oder mit der Methode haben, bringt das Mehr vom Gleichen nichts außer Frust, weil sie noch einmal mit Unverstandenem konfrontiert werden.

> Verantwortlichkeiten

Verantwortung der Lehrperson

Mit einzelnen Sch. bzw. Gruppen Lernvereinbarungen treffen,
Die nächsten Lernschritte formulieren
Dafür Material und Methoden anbieten

Andere Zugangsmöglichkeiten als bisher anbieten

Ggf. Unterrichtsarrangement und äußere Bedingungen verändern

Verantwortung der Schülerin/des Schülers

Was haben wir vereinbart?
Wo stehe ich?
Was sind meine nächsten Schritte?
Wer hilft mir?
Was habe ich bisher verstanden / nicht verstanden?
Was kann ich anders machen, damit es gelingt?
(Wann gelingt mir etwas gut?)
Wie arbeite ich als nächstes? Mit wem?

 

In allen Fällen bedarf es der individuellen Vereinbarung, wer woran und wie und mit wem weiter arbeitet. Das heißt aber nicht, dass die Lehrperson mit jedem Schüler einzeln sprechen muss, sondern dass durch einen Austausch in der Klasse zu Beginn dieser Unterrichtsphase jeder Schüler seinen Lernstand reflektiert und die nötige Unterstützung benennt, sodass die Lehrperson ein passendes Angebot machen kann oder unter den Schülerinnen und Schülern vermitteln kann. Erfahrungen zeigen, dass diese Reflexion und Arbeitsplanung mit geeigneten Methoden (z.B. durch ein Lernjournal) schon in der Grundschule gelernt werden kann.